Festspiel der deutschen Sprache – Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien
Festspiel der deutschen Sprache

„… Wer nie sein Brot mit Tränen aß …“

Welch großartiger und wahrer Gedanke, für den, der es erfuhr: sein Brot mit Tränen essen …

Meine Damen und Herren und liebe Freunde!

Jeder von uns hat eine Heimat. Eine Heimat, die in den meisten Fällen zugänglich ist, ohne Furcht, einfach selbstverständlich. – Da man – in unserem Falle – seine Heimat nicht mühselig und mit Opfern verbunden betreten kann, gibt man sich nicht sonderlich Mühe, sie zu finden. –
Genauso verhält es sich mit der eigenen Sprache. In unserem Fall mit der deutschen Sprache: Sie ist da. Zuverlässig von morgens bis abends, wie ein gutmütiger Knecht, wie ein langjähriger Ehepartner, mit dem man sich scheinbar keine Mühe mehr geben muss. Wenn man aber plötzlich erstaunt feststellt, dass der Partner den Hut genommen und sich davon gemacht hat, dann ist der Schrecken groß. –

Ein bisschen geht es uns so mit unserer Sprache.

Sie hat schon die Klinke in der Hand, in Gestalt von Anglizismen, Verrohung, falscher Grammatik, Nachlässigkeit der Diktion, Reduktion auf wenige Begriffe wie „Spaß“ oder „spannend“. Und täglich nimmt die Faulheit zu, welche verhindert, der Schönheit unserer Sprache endlich wieder Tür und Tor zu öffnen, um der eigenen Persönlichkeit Kraft, Individualität und Einmaligkeit zu verleihen.

So stehe ich nun hier, um daran zu erinnern, dass man einen wunderbaren Freund hat:

Was ist denn ein Freund?
Ein Freund ist jemand, der dir die Melodie deines Herzens vorsingt, wenn du sie längst vergessen hast. Da kommt dann erschwerend hinzu, dass der Freund zu allem Elend krank ist. Diese Krankheit heißt Verkümmerung. – Wir wissen: wenn ein Teil unseres Körpers nicht benutzt wird, verkümmert dieser, ob es das Gehirn oder die Beine sind. In unserem Fall ist es die deutsche Sprache. –

Natürlich verlangt man nicht, dass Thomas Mann oder Johann Wolfgang von Goethe, Ingeborg Bachmann oder Walther von der Vogelweide von jedermann gelesen werden, aber wenn man die Gnade einer Liebesbeziehung oder den Verlust dieser in eine sprachliche Form fassen will, da fehlen dann die Worte.

Goethe fand sie für uns – „… und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab  m i r  ein Gott zu sagen, was ich leide.“

Dies ist nicht jedem gegeben, und so bringt man sich um den Gewinn, den Trost des Wortes zu nutzen. – An dieser Krankheit leiden die Verkünder der Heiligen Schrift, die Verkünder des Gesetzes, die Lehrer in den Schulen, die Eltern daheim, die Erfolgreichen, die weniger Erfolgreichen. – Die Sprache ist eine Brücke zum anderen; man soll sich ruhig trauen, diese Brücke zu betreten; sie hält — noch!! Noch ist sie nicht morsch.

Grad neulich sagte einer: „In hundert Jahren spricht kein Mensch mehr deutsch …“ Wehe, wenn er recht hat!! Dann sind wir nämlich niemand mehr.

„Ein Volk geht nicht zugrunde an verlorenen Kriegen, sondern dadurch, dass es von innen entkräftet, seine Sprache, die Hochsprache seiner Dichter und Denker, aufgibt, also Hochverrat an sich selbst begeht.“
„Die Sprache ist gleichsam der Leib des Denkens“, sagt Hegel.

Wer seine Sprache nicht achtet und liebt, kann auch sein Volk nicht lieben.

Achten und lieben wir unsere Sprache, die zerbrechlich ist, wie die von Ulf Reiter, dem Astronauten, beschriebene Erde und Atmosphäre „silberblau und fragil“. Sprache ist Schöpfung! Auf dass wir nicht die Dornenkrone unserer Schöpfung werden.

Ihre Edda Moser

FESTSPIEL DER DEUTSCHEN SPRACHE

Kammersängerin Prof. Edda Moser

Initiatorin

 

Dr. Reiner Haseloff | Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt

Schirmherr

 

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und vom Land Sachsen-Anhalt